Ein Imagefilm, ein Erklärvideo oder ein Webinar erreicht nur dann viele Menschen, wenn alle es verstehen. Viele schauen unterwegs ohne Ton, andere sprechen die Sprache des Videos nicht als Muttersprache. Untertitel lösen beide Probleme. Dieser Beitrag zeigt, wie Sie Untertitel für Firmenvideos von Anfang an richtig planen und gut umsetzen.
Mit dem Skript beginnen
Der beste Zeitpunkt für Untertitel ist die Planung, nicht die Nachbearbeitung. Ein sauberes Skript mit Sprecherangaben spart später viel Arbeit.
Schreiben Sie in kurzen Sätzen und vermeiden Sie Schachtelsätze. Was gut gesprochen klingt, lässt sich auch leichter untertiteln.
Klare Sprache im Video ist die halbe Miete für gute Untertitel.
Lesedauer und Länge
Zuschauende müssen die Zeilen in Ruhe lesen können. Als Richtwert gelten etwa 12 bis 17 Zeichen pro Sekunde und höchstens zwei Zeilen mit je rund 42 Zeichen.
Wird ein Satz zu lang, teilen Sie ihn an einer natürlichen Sprechpause und nicht mitten in einer Wortgruppe.
Untertitel sind kein Wort-für-Wort-Protokoll
Gesprochene Sprache enthält Füllwörter und Wiederholungen. Gute Untertitel kürzen sie, ohne den Sinn zu verändern.
Behalten Sie den Ton des Sprechers bei. Ein lockerer Vortrag darf auch im Text locker wirken, eine Rede des Vorstands eher sachlich.
Barrierefreiheit mitdenken
Für gehörlose und schwerhörige Menschen reichen Dialogtexte allein nicht aus. Sie brauchen auch Hinweise auf Geräusche und Musik. Hinweise und Positionen zur Teilhabe finden Sie beim Deutschen Gehörlosen-Bund.
Setzen Sie solche Angaben in eckige Klammern, zum Beispiel [Applaus] oder [Telefon klingelt].
Gestaltung und Platzierung
Wählen Sie eine serifenlose Schrift in Weiß mit dunkler Kontur oder einem halbtransparenten Hintergrund. Das sorgt für Kontrast bei hellen und dunklen Szenen.
Setzen Sie die Zeilen unten mittig, außer wenn dort Logos oder Einblendungen stehen. Dann wandern sie kurz nach oben.
Fremdsprachige Fassungen vorbereiten
Wer Märkte im Ausland bedient, braucht Untertitel in weiteren Sprachen. Plant ein Team Englisch als erste Zielsprache, ist eine professionelle englische Übersetzung der Ausgangstexte die beste Grundlage.
Beachten Sie, dass englische Texte oft kürzer, andere Sprachen aber deutlich länger werden. Planen Sie dafür Platz ein.
Typische Fehler vermeiden
Zu schnelle Einblendungen, falsche Namen, fehlerhafte Zeichensetzung oder abgeschnittene Zeilen gehören zu den häufigsten Problemen. Selbst große Anbieter sind davor nicht gefeit, wie der Beitrag über Untertitel-Fehler bei Netflix zeigt.
Ein zweiter Blick vor der Veröffentlichung deckt die meisten dieser Fehler auf.
Kulturelle Anpassung
Redewendungen, Witze und Verweise auf lokale Ereignisse funktionieren nicht überall. Übersetzende suchen dann eine Entsprechung, die beim Publikum ähnlich wirkt.
Legen Sie vorab fest, wie mit Namen, Maßeinheiten und Währungen umgegangen wird.
Technische Dateiformate
Gängige Formate sind SRT und VTT. Laden Sie Untertitel als eigene Datei hoch, statt sie fest ins Bild zu brennen. So können Zuschauende Sprache und Größe selbst wählen.
Bewahren Sie die Dateien pro Sprache sorgfältig auf und benennen Sie sie eindeutig.
Qualitätsprüfung
Sehen Sie das fertige Video komplett mit Untertiteln an, am besten gemeinsam mit jemandem, der es noch nicht kennt. Achten Sie auf Rechtschreibung, Timing und Lesbarkeit.
Eine Checkliste sorgt dafür, dass jedes Video denselben Standards folgt.
Automatische Untertitel sinnvoll nutzen
Spracherkennung liefert einen schnellen ersten Entwurf. Fachbegriffe, Eigennamen und Dialekte erkennt sie jedoch oft falsch.
Planen Sie deshalb stets eine menschliche Korrektur ein, bevor das Video online geht.
Live-Veranstaltungen
Bei Webinaren und Übertragungen sorgen geübte Schriftdolmetscher oder geprüfte Software mit Kontrolle für Live-Untertitel. Testen Sie Technik und Link vor dem Termin.
Stellen Sie nach dem Event eine korrigierte Aufzeichnung mit sauberen Untertiteln bereit.
Wirkung messen
Vergleichen Sie Sehdauer, Abschlussrate und Klicks vor und nach der Einführung von Untertiteln. Viele Unternehmen sehen schon nach wenigen Wochen spürbare Verbesserungen.
Nutzen Sie die Zahlen, um Budget für weitere Sprachen zu begründen.
Untertitel für soziale Netzwerke
Auf Social-Media-Plattformen läuft ein Großteil der Videos zunächst ohne Ton. Setzen Sie die wichtigste Aussage deshalb in die ersten Sekunden und blenden Sie sie groß ein.
Hochformatige Videos brauchen kürzere Zeilen und größere Schrift als Querformate, damit der Text auf dem Smartphone lesbar bleibt.
Zusammenarbeit mit Dienstleistern
Geben Sie Übersetzenden Hintergrundinformationen, Glossare und frühere Projekte. Je mehr Kontext sie kennen, desto stimmiger fallen Ton und Fachbegriffe aus.
Vereinbaren Sie außerdem, wie viele Korrekturschleifen im Preis enthalten sind und wer die endgültige Abnahme übernimmt.
Kosten und Zeitplan
Der Preis hängt von Länge, Sprache, Tonqualität und Frist ab. Gute Aufnahmen ohne Hintergrundgeräusche sparen Aufwand und damit Geld.
Rechnen Sie für ein zehnminütiges Video mit mindestens einem Arbeitstag pro Sprache, wenn Qualität und Prüfung inbegriffen sein sollen.
Archivierung und Wiederverwendung
Speichern Sie alle Untertiteldateien zusammen mit dem Quellvideo. Bei späteren Aktualisierungen müssen Sie dann nur geänderte Passagen anpassen.
Eine Übersetzungsdatenbank sorgt dafür, dass wiederkehrende Formulierungen immer gleich lauten.
Rechte und Datenschutz
Klären Sie, ob Sie Musik, Bilder und Stimmen im Video auch in anderen Ländern verwenden dürfen. Bei Interviews und Kundenstimmen sollten schriftliche Einwilligungen vorliegen.
Geben Sie Videomaterial nur an Dienstleister weiter, die Vertraulichkeit schriftlich zusichern.
Fester Bestandteil der Produktion
Behandeln Sie Untertitel wie Schnitt oder Tonmischung: als normale Phase und nicht als Zusatz am Ende. Planen Sie dafür Zeit und Geld ein.
So erreichen Ihre Videos mehr Menschen und hinterlassen einen professionellen Eindruck.
